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Erneuerbares Gut - unser Gehirn

Meditation verändert das Gehirn

 

Meditation verändert das Gehirn. Wie entwickelt es sich und wie stark kann es sich im Laufe des Lebens ändern? Von der Geburt bis zum Alter von etwa 25 Jahren entwickelt es sich in festgelegten Schritten. Die moderne Forschung zeigt auf, dass Kleinkinder kaum ein Bewusstsein von sich selbst haben. Ihre Gefühle orientieren sich in erster Linie an den Reaktionen der Eltern und engen Bezugspersonen. Erst im „Trotzalter“ etwa im Alter von drei Jahren lösen sich diese Verbindungen auf. Im Übergang von Pubertät und Erwachsensein entwickelt es seine volle Leistungsfähigkeit. Nun sind die wesentlichen Daten gespeichert, Nervenzellen vernetzt und die Balance der chemischen Botenstoffe gefunden. Ab jetzt geht es um die Geschwindigkeit bei der Datennutzung. Daher werden die Nervenbahnen im präfrontalen und orbitofrontalen Kortex, also die „Entscheidungs- und Werteinstanzen“ im Gehirn, in eine dünne Fettschicht gehüllt (myelisiert) und endgültig mit dem übrigen Gehirn vernetzt. Dann beginnt die langsamere Phase des „plastischen“ Gehirns. Und wie unser übriger Körper baut es ab, was nicht gebraucht wird, erhält und baut aus was gebraucht wird. Lernen ist der Motor des Gehirns – bis zum Schluss.

 

Wachstum im Gehirn ist bei Meditierenden nachgewiesen. (Lazar et al. 2005; Luders et al. 2009) Unsere biologische Festplatte kann sich vergrößern, verkleinern, ihre Vernetzung ändern und daher auch die Struktur der Datenspeicherung anpassen. Daher sprechen Neurobiologen vom „plastischen Gehirn“. Zwischen 40 und 50 Jahren erfährt das Gehirn eine ziemliche Umgestaltung. Die erlernten Fakten werden in einen größeren Zusammenhang gestellt und das Wissen stärker vernetzt.  Einzelne Erinnerungen verlieren an Bedeutung, werden durch das bisherige Leben hinterfragt; mehr und größere Hirnareale in seine Denkprozesse einbezogen und Probleme aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Später wird das Gehirn abermals optimiert, dazu gehören gemäßigte Gefühle, Weitsicht und Nachsicht, auch  als Ausdruck von Weisheit, die in den meditierenden Traditionen als höchste Entwicklungsstufe des Geistes gilt; was Messungen belegen (Brefczynski-Lewis et al. 2007) Es ist faszinierend. Unser Gehirn ist das einzige Organ, dessen Aufbau wir selbst verändern können – und dadurch unserem Leben jederzeit eine neue Richtung weisen. Doch aufgepasst: Das Zauberwort heißt: Es muss unter die Haut gehen.

 

„Nur dann werden die emotionalen Zentren im Mittelhirn aktiviert und nur dann werden an den Ecken der Fortsätze dieser Zellen diese sogenannten neuroplastischen Botenstoffe ausgeschüttet, die wie Dünger fürs Gehirn wirken“,erklärt der Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther. Das ist der Treibstoff, der uns dabei hilft, neue Vernetzungen aufbauen, unser Potenzial zu entfalten, neues zu formen oder alte, eingefahrene Bahnen im Gehirn verlassen zu können und schließlich bis ins hohe Alter–einen Weg in die innere Freiheit finden. Dazu brauchen wir die Aktivierung der emotionalen Zentren im Gehirn. Den Bereich, in dem unsere Metakompetenzen, unsere inneren Einstellungen, Überzeugungen und Haltungen verankert sind, auf deren Grundlage wir Entscheidungen treffen und Bewertungen vornehmen. Was sich dort herausbildet, lässt sich nicht durch Unterricht, Belehrungen und kluge Ratschläge beeinflussen, sondern nur durch neue positive Erfahrungen.

 

Hüther, G.(2003): Die Evolution der Liebe. Göttingen

Hüther, G.(2004): Biologie der Angst. Göttingen

Hüther, G.(2005): Wie aus Stress Gefühle werden. Göttingen

Hüther, G.(2005): Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern. Göttingen

Hüther, G.(2005): Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Göttingen

Hüther, G.(2009): Biologie der Angst. Wie aus Stress Gefühle werden. Göttingen

Hüther, G.(2013): In der FAZ vom 12./13. Juni 2013

 

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