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Einblick in eine Fragebogenerhebung zur Kundalini Meditation

 

In der Kundalini Praxis wird die Schulung des inneren Zeugen, des Beobachters kultiviert. Dabei handelt es sich um die Instanz, die Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken von Moment zu Moment wahrnimmt und dabei die Achtsamkeit schult. Diese Funktion des „Beobachters“,mit der Entwicklung und Schulung einer urteilsfreien, wohlwollend, akzeptierenden Grundhaltung, bildet die Basis der Selbstregulierung, Selbsterfahrung und Selbstbestimmung. Dabei kommt es zu tiefen Selbsterkenntnissen, einem Wandel des Selbst-Bewusstseins und einer Steigerung des Selbstwerts. Der Einzelne kultiviert Intuition und Mitgefühl und bekommt eine innere Distanz zu seinen gewohnten Handlungsmustern; er wird zum Beobachter seiner inneren Prozesse und seiner äußeren Realität. Immer wieder betont der Schöpfer der aktiven Meditationsmethoden, Osho, die Bedeutung dieses neutralen Zeugen. Der Übende identifiziert sich zunehmend weniger mit seinen in der Meditationsübung erkannten internalisierten Normen, Prägungen und Verhaltensweisen. Dadurch unterbricht er den, wie KABAT-ZINN (2007) es nennt, Modus des „Autopiloten“. „Sobald wir beginnen, unsere Aufmerksamkeit zu erhöhen und zu beobachten, wie unser Geist sich verhält (genau das tun wir in der Meditation), finden wir ziemlich schnell heraus, dass unsere Gedanken sich weitaus öfter mit Vergangenem und Zukünftigem beschäftigen als mit der Gegenwart. [...]Solches Nichtbewusstsein kann unserem Geist zur Gewohnheit werden, was unser ganzes Leben und alles, was wir tun beeinträchtigt, angefangen damit, dass wir auf Situationen automatisch, wie ein Autopilot, reagieren, anstatt bewusst zu agieren.“ 

Die Augenblicke, in denen der Meditierende das Unmittelbare erfährt, d.h. die Gegenwart, ohne Anhaften an Gedanken und Empfindungen erlebt, ist ein Meditationszustand, der mit dem Begriff „volle Leere“ beschrieben wird. Meditation bildet die Brücke zwischen diesen beiden Bewusstseinszuständen und kontinuierliche Meditationspraxis, den „Brückenbau“.Insofern sind persönliche Qualitäten wie Wille, Disziplin und Ausdauer, ebenso von Bedeutung wie die absichtslose Hingabe, an die gewählte Meditationsmethode. Im Laufe der Übungszeit verlängern sich dadurch die Achtsamkeitsphasen OTT (2010). Durch die Schulung der achtsamen Wahrnehmung, mit der dauerhaften Installierung eines inneren Beobachters, bewegt sich der Meditierer durch verschiedene Stufen der Meditationstiefe PIRON (2003). Dabei treten erfahrungsgemäß Hindernisse auf. Vielleicht rebelliert der Körper oder es kommt zu unangenehmen Körperempfindungen; verdrängte Inhalte können an die Oberfläche des Bewusstseins drängen, unangenehme Gedanken und negative Gefühle sich melden. 

 

Untersuchungsmethoden

Standarisierte Fragebögen gehören zum „Werkzeugkasten“sozialwissenschaftlicher und psychologischer Forschung. Neben den Aussagen über Häufigkeiten, Verteilungs- und Streuungsparametern, Maße für die Sicherheit und Stärke von Zusammenhängen zu finden, geht es hier in der Wirkungsforschung um die subjektive Erfahrung und die Einstellung der Teilnehmer zu dieser Methode. Grundlage dafür bildet der Meditationseffektfragebogen. Daneben kommen die qualitativen Methoden der Teilnehmenden Beobachtung und der Leitfaden gestützten Tiefeninterviews zum Einsatz. 

 

Stichprobe

Es handelt sich um eine Fragebogenerhebung mit Zufallsstichprobe unter Empfängern des UTA Newsletters zwischen dem 14. und 21.11.2011. Der Pretest wurde vom 7.-9.11.2011 durchgeführt.  Der Newsletter wurde an 8052 Personen verschickt. 609 Empfänger des Newsletters nahmen an der Befragung, anhand des Meditationseffektfragebogens, mit 78 Items teil. Diese Daten wurden mit der Meditationspraxis korreliert. Als Maß für die Übungspraxis wurde die Meditationserfahrung in Jahren herangezogen. Um ein genaues Bild der einzelnen Meditationsbiografien zu erhalten, wurde zusätzlich eine Einteilung in drei Gruppen vorgenommen:

  • Anfänger:              Meditierer mit einer Praxis weniger als ein Jahr,
  • Fortgeschrittene    Meditierer mit einer Praxis zwischen ein und fünf                                       Jahren,
  • Experten                Meditierer mit einer Praxis von mehr als fünf Jahren.

Für die statistische Prüfung der erwarteten Zusammenhänge wurde die Überprüfung der Wahrscheinlichkeit nach Chi Pearson Quadrat gewählt. Wenn die Irrtumswahrscheinlichkeit kleiner als 5% (p < 0,05) ausfällt, spricht man von einem statistisch bedeutsamen „signifikanten“Ergebnis, womit die jeweilige Hypothese bestätigt wird.

 

Neben dieser standarisierten Fragebogenerhebung begleiteten wir den 21-Tage-Kundalini-Prozess in einer offenen „Teilnehmenden Beobachtung.“ Die Angaben von zehn Teilnehmern dieses Prozesses, wurden mittels eines Wahrnehmungsbogens erfasst und weitere Daten durch ein Narratives Interview mit ihnen gewonnen. Dadurch konnten weitere persönliche Rückmeldungen von „Anfängern“ und„Experten“,gewonnen werden. Weitere Daten wurden durch Interviews mit erfahrenen Meditationslehrern und Ausbildern der UTA Akademie erhoben. Hier interessierte uns, deren persönliche Meditationsbiografie, ihr Blickwinkel auf Meditation und die Vermittlung der Methoden. 

 

Die Überprüfung der Hypothesen, erfolgte auf drei Ebenen: Bildung von Häufigkeiten, Verdichtung und Verknüpfung. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Zielvariablen „Gesundheitsressource“, „Selbstregulierung“, „Selbstwahrnehmung“, „Konzentration“, „Lebensqualität“, „Innerer Beobachter“, „Achtsamkeit“und „Präsenz im Augenblick.“Diese wurden mit den Variablen „Meditationspraxis in Jahren“und „Frequenz“, d.h. dem längsten zusammenhängenden Zeitraum, in dem meditiert wurde, korreliert.

 

Hypothese 1: „Motivationseffekte“

Mit der Länge der Meditationspraxis steigt die intrinsische Motivation zur Meditation. Die Praxis, über „Bewegung“(Schütteln, Tanzen) und „Schwingung“den eigenen inneren Raum zu finden, motiviert. Daher besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Meditationspraxis und der Motivation.

 

Hypothese 2: „Achtsamkeitseffekte“

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Meditationspraxis und der Achtsamkeit, die sich durch das Anwachsen einer wohlwollenden Selbstakzeptanz und einer werturteilsfreien, neutralen, distanzierten Wahrnehmung von Gedanken, Gefühlen und Körperbefindlichkeiten auszeichnet. Mit der Meditationspraxis verringert sich der „Autopilotstatus“, was zu einer Erhöhung der Achtsamkeit führt. 

 

Hypothese 3: „Gesundheitsressourceneffekte“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit, als einen Zustand des körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Wohlbefindens und bezeichnet „Gesundheit“als lebenslangen Gestaltungsprozess. Mit der Länge der Meditationspraxis verbessert sich die psychische und mentale Gesundheit, die Fähigkeit zur Selbstregulierung wird gesteigert und das Körperbewusstsein geschult. Die eigene Meditationspraxis wird zu einer Gesundheitsressource. Je länger die Praxis andauert, desto enger ist der Zusammenhang.

 

Hypothese 4: „Entspannungseffekte“

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Meditationspraxis und der Entspannung von Geist, Psyche und Körper. Dieser Zustand geht mit dem Gefühl „Zuhause angekommen zu sein“,„in der Mitte zu sein“,„im Hier und Jetzt zu sein“einher. Je länger die Praxis, desto stärker die Entspannung.

 

Hypothese 5: „Lebensqualitätseffekte“

Die Kundalini Praxis verbessert die Lebensqualität der Meditierer. Es besteht daher ein enger Zusammenhang, zwischen der Länge der Praxis und dem Erfahren personaler und transpersonaler Zustände in der Meditation. Sie werden als qualitative Momente in den Alltag integriert z. B. das Erkennen der eigenen Kraftquelle, das Erfahren inneren Friedens, das Erkennen nicht mehr notwendiger Handlungsmuster.

 

Hypothese 6: „Effekte der Selbstregulierung“

Die Meditation verbessert die Fähigkeit zur Selbstregulierung. Mit der Meditationspraxis steigt die Fähigkeit den „Autopiloten“wahrzunehmen, automatische Reaktionen zu unterlassen und, mit der neutralen Instanz des internalisierten Beobachters/Zeugen, seine Gedanken, Gefühle, Emotionen zu betrachten. Daraus resultieren spontane Aktionen bzw. Handlungen, die der jeweiligen gegenwärtigen Situation angemessen sind. Blockaden und Verstimmungen können gelöst werden.

 

Hypothese 7: „Innerer Zeuge / Beobachter“

Über die Länge der Meditationspraxis startet der Meditierer einen Implementierungsprozess seines inneren Beobachters und damit einen Entwicklungsprozess seiner inneren Wachsamkeit. Er kultiviert dabei Intuition, Achtsamkeit und Mitgefühl, bekommt eine innere Distanz zu seinem gewohnten Handlungsmuster und schult sein Alltagsbewusstsein, kultiviert den Anfängergeist und den Prozess der De- Identifikation. Je nach Länge der Meditationspraxis steigert sich der Zusammenhang.

 

 

Meditationseffekte nach einem Monat in % N=609

 

Erfahrung

Frequenz

Irrtumswahrscheinlichkeit

 

1 Monat 

Meditationspraxis

Pearson Chi Square

Achtsamkeit

70,4%

0,00

Gegenwart „Hier & Jetzt 

 

76,5

0,01

Beobachter & Instanz 

 

72,9

0,00

Wandel in der Einstellung

(von Kritik zu Akzeptanz)

 

65,7

0,01

Wahrnehmung von Emotionen

 

62,0

0,02

Beobachter & Aktivierung

 

80,7

0,00

Gefühl & „Zuhause angekommen“

 

73,8

0,00

Erholungsfähigkeit

 

75,5

0,01

Grenzenlosigkeit & Verbundenheit

 

 

80,1

 

0,00

Verbesserung Alltagsbewältigung

 

65,1

0,01

 

Meditationseffekte nach einem Monat

 

 

Die Befundlage bestätigt die erwarteten Zusammenhänge zwischen der Meditationspraxis und dem steigenden Gewahrseins des inneren Beobachters, der Achtsamkeit, dem Gegenwärtigsein im Hier und Jetzt. Bereits nach einem Monat der Meditationspraxis zeigen sich positive Effekte beispielsweise auf Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Alltagsbewältigung, Lebensqualität u.a.m.

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