Aussicht auf bleibende Stille

 

Es hat sich herumgesprochen: Loslassen ist ein Weg, der zu unserem innersten Sein führt. Loslassen ermöglicht es, ganz im Moment zu leben. Den Augenblick bewusst wahrzunehmen, Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Impulse zu beobachten. So werden Entwicklung, Wachstum, ja sogar Heilung möglich.

 

Jede Kundalini-Meditation kann unser Lehrer sein. Voll und ganz zu leben bedeutet, sich in jeder Übungsstunde ins Aben- teuerland zu begeben und jede Phase völlig neu und frisch zu erleben. Auf unseren zwei Beinen stehend, Mund und Herz geöffnet, offen und bereit für eine Reise in dieses unbekannte Land, erreichen wir unseren Sehnsuchtsort – den Raum der stillen Einheit und Verbundenheit. Die Tür erreichen wir, indem wir uns bereit machen, aufbrechen, wandern.

Anfängern empfehle ich die Teilnahme an einem 21-Tage- Prozess. Bereits am Start wird uns der emotionale Rucksack bewusst, den wir herumtragen. Im Gepäck liegen der Ärger über eine verpatzte Familienfeier, ein Streit mit dem Freund, die schlechten Schulnoten der Kinder etc. All das kann die Stimmung für Tage vermiesen und unangenehm an ferne Kindertage erinnern, an denen auch alles schiefging. Mit der Kundalini-Struktur haben wir eine exzellente Wanderkarte in der Hand. Daher merken wir bereits nach 8-10 Übungsstunden, dass der Rucksack und damit unser Alltag leichter wird.

 

Dazu trägt das Schütteln bei. Fest auf unseren Füßen ste- hend, lassen wir aus den Fußsohlen heraus die Bewegung zu, wecken die „Schlangenkraft“ und lösen unsere Anhaftungen an Ärger, Frust und Wut. Wir beobachten den Fluss der Ge- danken und Emotionen auch in der Tanzphase. Setzt hier der ganz alltägliche Automatismus ein oder wechseln wir die Schritte, die Bewegungen der Arme und Hände? Gehen wir auf im Tanz? Bleibt der Mund geöffnet und die Augen geschlossen? Sind wir mit der Aufmerksamkeit bei uns oder bei anderen? Kenner wissen, die beiden aktiven Abschnitte der Kundalini dienen der Vorbereitung: nicht nur der Geist, sondern auch der Körper entspannt, die Energie kommt in Fluss, unser Be- obachterbewusstsein wächst ebenso wie unser Mitgefühl.

Die Entfernung zwischen dem Gehirn und dem Herzen be- trägt etwa 50 cm. Ein Nervenimpuls benötigt weniger als eine Millisekunde, um sie zu überwinden. Und doch, wer kennt ihn nicht, den langen Weg von hier nach dort, wenn unser Herz einen Riss bekommen hat! Es erfordert Mut und Kraft, Ent- scheidungen des Verstandes mit unserem Herzen in Einklang zu bringen. Dabei hilft das Meditieren in der Gruppe. Durch das Beobachten unserer Gedanken, die Wahrnehmung unserer Emotionen, das Schütteln und Loslassen entscheiden wir uns zu wachsen, und entdecken letztlich uns selbst.

 

Die achtsamkeitsfokussierte Kundalini-Meditation führt in ein beständiges Gewahrsein geistiger Vorgänge. Der Fokus wird auf unterschiedliche Objekte gerichtet: auf das aufsteigende Schütteln, die Emotionen und Gedanken (1. Phase), den Tanz des Körpers und die Empfindungen (2. Phase), Emotio- nen, Gedanken, innere Einstellung – Erwartungen, Kritik, Ver- gleich, Wunsch, Wille, Offenheit u.a. (1.-4. Phase). Die Methode erfreut sich großer Beliebtheit, fördert die psycho-mentale Gesundheit und stärkt die Resilienz.

 

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